Intimzonen – Frauen sprechen über Sex
Im Rahmen der Sendung “Spiegel TV Special” wird am 5. Juni 2010 (heute abend!) um 22:40 Uhr auf dem TV-Sender vox die 120-minütige Dokumentation “Intimzonen – Frauen sprechen über Sex” zu sehen sein. Unter den 26 Frauen, die Nicola Burfeindt rund um ihre Sexualität herum befragt hat, gehört neben Autorin Thea Dorn, Kabarettistin Sissi Perlinger oder Anthropologin Helen Fisher auch die feministische Pornoregisseurin und gute Freundin des Pornfilmfestivals, Petra Joy.






ach übrigens, wie fandest du eben meinen vorgetäuschten Orgasmus?
Das Fernsehen versuchte sich gestern den Intimzonen zu nähern. Und wie macht das so ein TV-Sender? Genauso wie er sich um die größten Hits aus den Siebzigern kümmert: man nehme C-Prominenz oder ist gleich noch konsequenter und nimmt einfach jeden, der für eine Aufwandsentschädigung bereit ist sich zum Affen zu machen. Diese Personen setze man separat in eine Bluebox, womit sie nachträglich vor einen beliebigen Hintergrund manipulierbar sind. Die Macher dieser Sendung hingen, dem Thema geschuldet, „die Latte“ noch ein bisschen höher, indem sie ausschließlich Frauen zum Thema Sex befragten. Die Highlights aus diesen Interviews wurden dann mit Sequenzen aus Blogbusterfilmen, Straßenumfragen von der gemeinen Frau, etwas unmotiviert wirkenden Grafiken und Allerweltsweisheiten aus dem Aphorismenbuch gemixt. Fertig ist die Schose.
Gerade hat uns ein Weib anvertraut, dass sie gerne im Dunkeln genommen werden möchte, belehrt uns schon die nächste Sexpertin, dass Männer gefälligst den Rhythmus an die Frau anzupassen hätten. Denn wenn er erst mal drin sei, wäre ja ohnehin klar das er früher oder später käme. Für die Frau sei das nun mal spezieller. Der Einen sind die mittellangen Dicken die liebsten Penisse, woraufhin die Nächste zu bedenken gibt: der eine Schw*nz sei spritziger, der andere lustiger. Als Frau müsse man es ja nehmen wie’s kommt.
„Die Männer wollen doch alle nur ihren Samen verteilen. Und wir Frauen haben dann das Ergebnis fünfzehn Jahre an der Backe. Da bist du als Frau bei der Auswahl schon von Natur her wählerischer.“ Ob den Damen, wie einer Kabarettistin, die früher mal Erfolg hatte, oder einer Autorin, die es schon mal in die Bestsellerlisten schaffte, wirklich bewusst ist, wie merkwürdig verschroben ein solcher Zusammenschnitt selbst dann wirkt, wenn man ausschließlich absolut korrekte Statements abgibt?
Die Sexgeräusche der Nachbarin hört keine der Interviewten wirklich gerne und falls doch, könne sie kaum den Drang zurückhalten jene Frau beim Müllrunterbringen zu fragen: „komm, das war doch letzte Nacht ein Fake, stimmt‘s?“ Von zu viel Selbstbeobachtung beim Sex raten alle Frauen ab, da es den persönlichen Genuss zerstöre. Im Übrigen sähen Männer beim aktiven Abbau ihres Testosterons ohnehin nicht mehr auf die weibliche Cellulitis. Oder wie es eine Frau so treffend formulierte: „wenn er erst mal drinsteckt, denkt er nicht mehr nach.“
Wie es bei Privatsendern so Usus ist, wird die Sendung häufig für Werbespots unterbrochen. Tatsächlich ist es der Industrie möglich, einen Spot genau während einer bestimmten Sendung zu platzieren. Und so ist es natürlich interessant zu sehen, für welche Produkte geworben wird, wenn zuvor Frauen ihren sexuellen Erfahrungshorizont offenlegen: falsche Wimpern, du-darfst-Produkte, ein Mittel für noch weißere Zähne, Damenrasierer und etwas, das die Haarspitzen repariert. Offenbar ging man davon aus, dass die Sendung in der Mehrheit das weibliche Geschlecht sieht. Frauen sehen sich an, was Frauen über Männer beim Sex denken.
„Man sollte vielleicht nicht gerade dann einen Orgasmus vortäuschen, wenn er gerade Sachen macht, die garantiert niemals dazu führen können.“ Allerdings helfe das Vortäuschen manchmal, damit einem unschönen Treiben wenigstens ein Ende gesetzt werden könne. Es sei doch nur sehr verwunderlich, warum Männer nicht den Unterschied bemerkten. Warum aktuell Spucke, Schweiß und Haare so tabubelastend seien, auch dafür haben die Frauen keine Erklärung. Allerdings gaben sie alle an, einem Date stets haarlos entgegenzuliegen.
zweiter Teil am nächsten Samstag um 22:10 Uhr auf Vox
http://www.vox.de/magazine_2333.php?artikel_id=1319716